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Robinhood Aktie – Börsengang mit vielen Fragezeichen

Selten gab es solch kontroverse Diskussionen im Vorfeld eines Börsengangs wie vor dem Debüt des sogenannten Neo-Brokers Robinhood an der Technologiebörse Nasdaq. Das Unternehmen, das über seine Trading- und Investment-App kommissionsfreien Handel anbietet, will im Rahmen des IPOs rund 2,1 Milliarden US-Dollar von seinen zukünftigen Anlegern einsammeln, der Gratis-Broker wäre dann 32 Milliarden US-Dollar wert. Bei einem möglichen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Dollar würde dies dem 25-fachen davon entsprechen, was durchaus dem Branchenschnitt entspräche.

Demokratisierung des Investierens

Revolutionär wie das Geschäftsmodell soll auch die Zuteilung an private Investoren sein. Robinhood plant, bis zu 35 Prozent der Aktien im Rahmen des Börsengangs an seine Kunden über die IPO-Access-Funktion des Unternehmens bereitzustellen. Diese gibt Kleinanlegern generell die Möglichkeit, Aktien einiger Neuemissionen zu kaufen, bevor diese an der Börse gehandelt werden. Damit könnte es zu einer der größten Retail-Zuteilungen aller Zeiten kommen. So etwas hat es in dieser Form noch nicht gegeben und wird dem Motto von Robinhood gerecht, das Investieren zu demokratisieren.

Auch wenn die traditionellen Banken und Player in diesem Markt noch nicht das ganz große Risiko durch die Neo-Broker sehen, unterschätzen sollte man den Neuankömmling auf dem Börsenparkett auf keinen Fall. Robinhood hat eine starke Marke aufgebaut und ist in der Gruppe der 19- bis 35-jährigen Anleger Marktführer in den USA. Die Gründer Vlad Tenev und Baiju Bhatt haben mit der einfachen Prämisse „null Provisionen“ die Branche auf den Kopf gestellt. Ihr Erfolg zwang die anderen großen Broker, ihre Provisionen abzuschaffen und öffnete die Tür für Millionen neuer Investoren, die zuvor noch nie an der Börse aktiv waren. Das Unternehmen schätzt, dass fast die Hälfte aller neuen Broker-Konten in den USA in den vergangenen fünf Jahren bei Robinhood eröffnet wurden. Das ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass 2020 schon ein Rekordjahr in Sachen Neukunden war und 2021 sich als noch besser herausstellen könnte. Noch allerdings dürften viele Kunden Robinhood als ihr „Spielgeldkonto" betrachten. Um die hohe Anfangsbewertung zu rechtfertigen, müssen die Kunden ihr Finanzverhalten in Zukunft ändern und einen großen Teil ihres Vermögens auf Robinhood übertragen. Dies könnte ein schwieriges Unterfangen werden.

Geschäftsmodell steht in der Kritik

Robinhood generiert mehr als 80 Prozent seiner Umsätze aus dem sogenannten Payment-for-order-flow-Modell, kurz PFOF. Die Transaktionen der Kunden werden an Handelsunternehmen (Market Maker) lediglich weitergeleitet, die die Aufträge ausführen und von der Geld-Brief-Spanne profitieren. Robinhood bekommt dafür eine Provision im Promille-Bereich. Genau dieses Modell aber steht derzeit in der Kritik bei den zuständigen Aufsichtsbehörden. In den USA prüft die SEC derzeit diese Praxis. Es ist der wohl größte Risikofaktor für den Broker und damit auch für die Aktie, da es nicht ausgeschlossen ist, dass solche Geschäftsmodelle ganz verboten werden. Erst im vergangenen Dezember stimmte Robinhood einer Strafe von 65 Millionen US-Dollar zu, um Vorwürfe zu begleichen, dass es Kunden über Zahlungen von Handelsfirmen in die Irre geführt hat, die den Nutzern zu viel für die Ausführung von Transaktionen berechnet haben.

Damit steht die Qualität und Nachhaltigkeit der Einnahmen von Robinhood in der Zukunft ganz klar auf dem Prüfstand. Und nicht nur, dass schärfere Regulierungen ins Haus stehen könnten, auch ohne diese ist der geschäftliche Erfolg solcher Broker so volatil wie der Aktienmarkt selbst. Denn in Zeiten des rasanten Handels steigen die Zahlungen für den Orderflow an. Aber wenn der Handel einbricht, bricht auch die Bezahlung für den Orderflow ein. Das ist ein Grund, warum die meisten Broker den Großteil ihrer Einnahmen aus anderen Quellen beziehen. Zudem ist Robinhood stark vom Handel mit Kryptowährungen abhängig – ein weiterer Bereich, der von der SEC unter die Lupe genommen wird. So machte allein der Handel mit Dogecoin, der von Tesla-Chef Elon Musk favorisierten Scherz-Kryptowährung, im ersten Quartal etwa sechs Prozent der Einnahmen des Unternehmens aus. Hier kann die Liebe der Anleger schnell vorbeigehen.

Neue Geschäftsfelder müssen her

Wegen der durchaus berechtigten Sorge um die derzeitigen Einnahmequellen dürfte sich Robinhood zukünftig auch anderen Geschäftsmodellen zuwenden. Das Angebot „Robinhood Gold“ soll Kunden zum Beispiel Zugang zu professionellem Research, sofortige Einzahlungen ab 5.000 Dollar und, falls genehmigt, Margin Trading anbieten. Auch die Themen Kreditvergabe und Zahlungsdienstleistungen werden diskutiert. Aber die Vorstöße des Unternehmens in neue Bereiche sind bisher nicht gut gelaufen, manchmal sogar auf spektakuläre Weise gefloppt. Im Jahr 2018 musste das Unternehmen seinen Plan, Giro- und Sparkonten anzubieten, zurückziehen, nachdem es wegen irreführenden Marketings und fehlender Versicherungen gerügt wurde.

Nahezu jedes Finanztechnologieunternehmen konzentriert sich derzeit auf das Cross-Selling von Produkten und Dienstleistungen. Square, PayPal, SoFi Technologies und andere wollen mit einem größeren Anteil am Finanzleben ihrer Kunden teilhaben. Robinhood will auch international stärker expandieren. Das Unternehmen hat derzeit mehrere Niederlassungen in den USA und ein Büro in London. Weitere sollen folgen, um Robinhood zu einem globalen Unternehmen zu machen. Eine Sache, die das Unternehmen derzeit nicht plant, ist Dividenden zu zahlen. Das Wachstum und der technologische Wettstreit mit den anderen Technologiekonzernen stehen derzeit im Vordergrund.

Heißes Eisen mit Verbrennungsgefahr

Robinhood ist wohl eines der heißesten Eisen an der Börse, an dem sich Anleger die Finger verbrennen könnten. Ein eventuell nicht nachhaltiges Geschäftsmodell mit hochvolatilen Umsatzströmen steht einem riesigen Kundenstamm mit der Fantasie für neue Geschäftsfelder gegenüber. Also nicht ohne Grund gehen die Bewertungen für Robinhood schon im Vorfeld des Börsengangs weit auseinander. Die 26 Prozent Minus in der Coinbase-Aktie seit dem IPO zeigen, was passieren kann, wenn sich Hypes wie der um Bitcoin & Co. erst einmal legen. Ob Robinhood mehr als das „Spielgeld“ eines Anlegers wert ist, hängt in jedem Falle von zu vielen Unbekannten und der Risikoeinstellung eines jeden Einzelnen ab.  

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