Gerade als die Märkte damit begonnen haben, das Szenario eines “langen Marschs” im chinesisch-amerikanischen Handelskrieg als das Hauptszenario zu akzeptieren und auch anzuerkennen, dass dieses Szenario Kerben im Weltwirtschaftswachstum hinterlassen könnte erhebt der amerikanische Präsident einseitig neue Strafzölle gegen ein Land, mit dem er gerade erst einen neuen Handelsvertrag zur Unterschriftsreife gebracht hat: Mexiko.

Die jüngste Zaghaftigkeit der Unternehmenschefs wegen dem Brexit und dem Handelsstreit dürfte durch die neue Eskalation mit Mexiko nur noch weiter zunehmen. Die neuen Strafzölle sind das falsche Signal an die Welt. Ein Abkommen ist gerade dann nichts wert, wenn die Gängelung danach unverändert weitergeht. Das müssen auch die Chinesen so sehen. Dort muss man denken, dass es am Ende sowieso Trumps Schuld war, dass der Handelsvertrag nicht umgesetzt werden konnte. Das könnte als ein weiterer Grund angesehen werden, nicht auf die US-Forderungen einzugehen.

Das ist genauso kontraproduktiv wie ein Land mit neuen Strafzöllen zu lähmen, das gerade wegen der großen Armut großer Bevölkerungsschichten eben diese Flüchtlingsströme generiert, die Trump mit den neuen Strafzöllen eigentlich verhindern möchte. Natürlich könnte man jetzt spekulieren, dass Trump wegen der saisonal zum Sommer hin eher zurückgehenden Flüchtlingsströme am Ende öffentlichkeitswirksam eine Art Deal mit Mexiko verkünden wird. Diese Hoffnung könnte sich angesichts der Unberechenbarkeit und Willkührlichkeit des US-Präsidenten aber als Trugschluss herausstellen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Strafzölle gegen Stahl oder Aluminium rechtswidrig sind oder nicht. Das wird vor der Welthandelsorganisation verhandelt werden. Auf welchem Grundsatz Strafzölle auf alle Waren eines Landes verhängt werden dürfen aufgrund von Flüchtlingen ist nicht nachvollziehbar.

Unternehmen mit weltweiten Bezugsketten werden von Anlegern auf den Markt geworfen. Dabei scheinen Bewertungen genauso wenig eine Rolle zu spielen, wie bei den Aktien, in die das Geld bis vor kurzem noch investiert wurde. Wenn nun aber selbst diese Lieblingsaktien der Anleger wie Palo Alto Networks beginnen kräftig zu fallen dann könnte das ein Hinweis auf eine größere Korrektur an den Börsen sein.

Der Kursanstieg bei Aktien seit Jahresbeginn wurde vor allem getrieben vom schlagartigen Kurswechsel der amerikanischen Notenbank und den damit einhergehenden verbesserten Wachstumsaussichten für die Unternehmensgewinne in der zweiten Jahreshälfte. Nun scheint sich der Markt damit zu beschäftigen, wie stark Trumps Handelspolitik diese Erholungstendenzen in Mitleidenschaft ziehen könnte. Teilweise haben die Märkte damit begonnen das Erholungsszenario der Firmenprofite im zweiten Semester dieses Jahres auszupreisen.

Hierbei spielen zwei Faktoren eine Rolle, die sich nun niederschlagen. Einerseits könnten wir in den kommenden Wochen erleben dass immer mehr Unternehmen ihre Gewinn- und Umsatzprognosen nach unten korrigieren werden. Andererseits könnte neben diesen Umsatzwarnungen die schlechter gewordene Stimmung rund um Aktien dafür sorgen, dass Anleger weniger bereit sind, hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu finanzieren. Wenn die Gewinne und die Gewinn-Mehrfache an den Aktienmärkten sinken brechen dem Markt gleich zwei Sä ulen weg, die das Kursgeschehen bisher stabilisierten.

Aktien sind hoch – die Wirtschaftsdaten schwach. Eine der beiden Größen liegt falsch. War es bis vor vier Wochen noch das Hauptszenario an den Börsen, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Verbesserung des Wachstums kommen wird, beginnen die Märkte nun, sich von dieser Hoffnung abzuwenden. Anleger müssen sich fragen, ob der amerikanische Präsident, der sich selbst „Mann der Zölle“ nennt, diese künftig in einem noch breiteren Kontext verwenden wird. Jedes Land, das Außenhandelsüberschüsse mit den Vereinigten Staaten hat, könnte zum Ziel von Strafzöllen werden.

Technisch betrachtet stellt eine Unterschreitung der Unterstützung bei 11817 Punkten im Germany 30 Cash einen Supportbruch mit einem möglichen Ziel bei 11391 Punkten dar. Rettend könnte nun ein Zurückerobern von 11817 Punkten als Unterstützung sein. Diesem Szenario förderlich wäre ein Vermeiden von deutlich neuen Tiefs unter 11661 Punkten. Dort würde bei der dreiteiligen Korrektur die Länge der Korrekturwelle a vom 3. Mai bis zum 14. Mai genau der Länge der Welle c vom 16. Mai bis zum heutigen 31. Mai entsprechen.