Griechenland mit neuer Frist – Das Schlimmste daran ist, das Drama geht weiter

Warum das leidige Thema die Börsen noch eine ganze Weile beschäftigen wird Andreas Paciorek, 03. Juni 2015 Aktuell wird an den Finanzmärkten wie schon so oft in den vergangenen Monaten diskutiert, ob es in Sachen Griechenland erst fünf vor Zwölf, nach dem Western-Klassiker schon „High Noon“ geschlagen hat oder die Zeit schon längst abgelaufen ist. Denn wieder einmal läuft am Freitag eine Frist ab und wieder einmal drohen ein „Grexit“ oder doch eher ein „Graccidence“, sollte Griechenland die erste von vier Tranchen in Höhe von 310 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds nicht zurückzahlen. Nicht nur das, weitere vier Tranchen folgen, Gesamtwert der Rückzahlungen knapp 1,6 Milliarden Euro. Aber so spannend wie auch die diesmalige „Deadline“ klingt, auch sie wird wahrscheinlich verstreichen, ohne dass wir über das Wochenende die Geschichte der Europäischen Union neu schreiben müssen. Europäische Union ist erpressbar und damit in der Zwickmühle Auch dieses Mal wird wohl ein neuer „finaler“ Termin für eine Lösungsfindung gesetzt werden, denn die eigentlichen Konfliktparteien, die griechische Regierung und die europäischen Geldgeber, spielen schon seit Monaten ein Katz-und-Maus-Spiel, was so schnell nicht beendet sein wird. Die Gründe liegen auf der Hand: Das Druckmittel „Grexit“ ist für die Griechen keines, sondern höchstens für die EU, und diese ist damit erpressbar und muss und wird am Ende dem Schuldner Griechenland weiter entgegen kommen, da alles andere noch teurer würde und auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar ist. Ausbleibende Zahlung heißt nicht automatisch pleite Auch rein technisch bringt eine ausbleibende Zahlung der Griechen am Freitag zunächst nur einen Prozess von Mahnbescheiden durch den IWF in Gang. Erst nach insgesamt einem Monat muss IWF-Chefin Lagarde offiziell den Fonds-Vorstand über einen Zahlungsverzug informieren. Bis dahin und auch noch danach bleibt Griechenland die Möglichkeit, auch nachträglich noch zu bezahlen und/oder einen Kompromiss mit den Geldgebern zu suchen, um diese Gelder locker machen. Europäische Zentralbank wird die Entscheidung auch nicht suchen Eine entscheidende Rolle könnte hierbei allerdings die Europäische Zentralbank spielen. Sollte nämlich die EZB Griechenland als zahlungsunfähig einstufen, dann dürfte sie auch nicht mehr die hinterlegten Sicherheiten der Banken, die sich auch aus griechischen Staatsanleihen zusammensetzen, akzeptieren. Ein sich damit verbundener beschleunigter Bank-Run dürfte Kapital-Kontrollen unausweichlich machen. Auf der heute anstehenden EZB-Sitzung dürfte Mario Draghi sich diesen Fragen ausgesetzt sehen. Da aber die EZB vermutlich nicht allein die Bürde auf sich nehmen will, die griechischen Banken fallen zu lassen, wird sie diesen harten Schritt nicht gehen. Banken in Griechenland schauen in Richtung EZB Falls doch, sähen sich die Geldgeber gezwungen, den Druck auf Griechenland auch mithilfe der EZB zu erhöhen. Zudem dürfte die öffentliche Kritik gegenüber dem ELA-Notkreditprogramm der EZB nach den Worten von Ifo-Chef Hans Werner Sinn noch zunehmen. Damit ist es wahrscheinlich dass die EZB zumindest eine größere Abschlagszahlung auf die Sicherheiten in Form der griechischen Staatsanleihen androht. Für die Situation der Liquidität der Banken in Griechenland dürfte der Freitag damit umso bedeutender werden. Auch die Finanzmärkte werden das Thema weiter vor sich her schieben Dennoch ist auch an diesem Wochenende nicht davon auszugehen, dass das Problem Griechenland eine Lösung findet, die die Börsen dazu veranlasst, das Thema erst einmal für längere Zeit ad acta legen zu können. Damit schwebt die ungeklärte Situation weiter wie ein Damoklesschwert über dem Markt und wird bei jeder Gelegenheit als Grund dafür herhalten müssen, warum die Kurse an den Aktienmärkten mal wieder fallen. Vor diesem Hintergrund ist aktuell die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch der DAX seine Konsolidierung noch eine ganze Zeit fortsetzt, bevor er Anlauf auf neue Höchststände nimmt. Nach unten allerdings dürfte die Zuversicht der Anleger, dass doch irgendwann eine Lösung im Schuldenstreit gefunden wird, Schlimmeres verhindern. Bitte beachten Sie: Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. 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