Fed: Auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig

Die Rede der amerikanischen Notenbankpräsidentin war gestern alles andere als neuer Wein in alten Schläuchen. Die Zinswende findet weiterhin statt, nur nicht jetzt. Es war gestern gar nicht so relevant, was Janet Yellen in ihrer Rede sagte Entscheidend war, was sie nicht sagte.

Guten Morgen zu CMC Espresso! Die Reise von einem Angebotsüberhang am Ölmarkt zu einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ist noch nicht vorüber – der Ölpreis profitierte gestern von einem schwächeren Dollar und von Äußerungen Kuwait und Abo Dhabis – Vertreter der Energieministerien beider Länder wiesen auf knapper werdendes Ölangebot auf dem Weltmarkt hin, Abu Dhabis Ölminister sieht 55 bis 60 Dollar in diesem Jahr als möglich an, aus Kuwait hört man, 50 bis 60 Dollar wären ein angemessener Preis. Das ist auch genau die Spanne, wo die Produktionskosten der Konkurrenz aus Amerikas Ölschiefersegment gesehen werden – sicherlich wird man in der OPEC nichts tun, was den Preis deutlich darüber bewegen wird. Die Zahl aktiver Bohrtürme hat sich zuletzt leicht erhöht, nachdem sie letzte Woche den tiefsten Stand seit sechs Jahren erreichten. Das sollte man jetzt engmaschig beobachten. Wenn die Ölpreise weiter steigen, könnte man an den Bohrturmstatistiken ablesen, wann die amerikanische Ölindustrie reagiert. Während die OPEC also versucht, die US-Ölindustrie bestenfalls bei einer schwarzen Null rauskommen zu lassen äußert sich der chinesische Finanzminister zum Zustand der amerikanischen Wirtschaft. Die Erholung dort sei zerbrechlich, die Menschen sollten sich nicht so viele Sorgen machen darüber, dass die Zinsen angehoben werden. Die tatsächlichen Auswirkungen seien weitaus geringer, als man sich das jetzt in den Köpfen ausmale. In China selbst versucht man der möglichen Welle an Menschen Herr zu werden, die wegen der Bekämpfung von Überkapazitäten im Kohle- und Stahlsektor ihre Arbeit verlieren könnten. So sagte der chinesische Finanzminister gestern, das Arbeitslosenprogramm könnte über das bisherige Volumen von rund 15 Milliarden USD bei Bedarf auch noch ausgeweitet werden. Auch Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, sieht darin eine Gefahr. Chinas Wirtschaft beschreite einen Drahtseilakt bei dem Versuch, seine Volkswirtschaft von einem exportgetriebenen zu einem stärker konsumorientierten Schwerpunkt auszubalancieren. Dies und globale Risiken seien in der Festlegung der Geldpolitik der US-Notenbank zu beachten. Das, was an Janet Yellens Rede gestern Abend in Philadelphia aber bemerkenswert war, war das, was sie nicht sagte. Sie wies nicht wie vor zwei Wochen darauf hin, dass es angebracht wäre, die Zinsen in den kommenden Monaten anzuheben. Sie gab gar keinen Zeitplan mehr ab, sie sagte lediglich, dass es „wahrscheinlich angebracht“ wäre, die Zinsen anzuheben und auch ansonsten blieb sie dann während ihrer ganzen Rede dabei, Optimismus zu verbreiten dass langfristig die Ziele schon erreicht werden könnten. Wie erwartet war das gut für US-Aktien, und auch ein bisschen gut für den DAX, der aber unter dem starken Dollar leidet. Gold schien ein wenig in einen Wettstreit um die Gunst der Käufer getreten zu sein bei der Frage, wer denn jetzt am meisten davon profitieren wird dass die Zinsen länger tief bleiben. Festhalten muss man, dass in den USA gestern der Punkt an Aktien gegangen war.