Marktupdate: DAX leicht erholt / EU und USA bereiten verschärfte Sanktionen gegen Russland vor

Von Andreas Paciorek, Marktanalyst CMC Markets, Stand: 13:02 Uhr Anleger im DAX zeigten sich heute Vormittag trotz der Zuspitzung der Lage in der Ukraine und den negativen Vorgaben der US- und asiatischen Börsen optimistisch. Bis zum Mittag schafft es der deutsche Leitindex nahe an die 9.500-Punkte-Marke heran bevor dieser wieder etwas zurückfiel. Dieser wird heute unter anderem von der Bayer-Aktie nach oben gezogen, die stark gefragt ist. Mit der Geiselnahme einer Gruppe OSZE-Beobachter am letzten Freitag erhöhte sich das Eskalationspotenzial in der Ukraine zuletzt erheblich. Zudem wurde heute gemeldet, dass der Bürgermeister der ostukrainischen Stadt Charkiw mit Schussverletzungen in ein Krankenhaus gebracht wurde. Die EU-Staaten und die USA beraten gegenwärtig über zusätzliche Sanktionen gegen Russland, die heute verkündet werden dürften. US-Präsident Obama warnte bereits, dass die Sanktionen Einzelpersonen, Unternehmen und den Export von Hochtechnologie im Rüstungsbereich betreffen könnten. Aus Sicht des Chefvolkswirtes der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, schätzten Investoren das Risiko für die Weltwirtschaft allerdings als überschaubar ein. Stützend auf den DAX wirkten heute unter anderem die Papiere der Bayer AG. Die Quartalsergebnisse zeigten einen Gewinnschub um 11,6 Prozent** auf 2,74 Milliarden Euro und überstiegen damit die Analysten-Erwartungen deutlich. Der Pharma-Konzern bekräftigte zudem das Unternehmensziel einer Steigerung des operativen Gewinns um eine untere bis mittlere einstellige Prozentzahl. Die Investoren zeigten sich begeistert und verteuerten die Papiere um über 4 Prozent*. Der Übernahmepoker um den französischen Konzern Alstom scheint wiederum die Investoren der Siemens AG zu vergraulen. Die Notierung fällt bis zum Mittag um mehr als 2 Prozent*. Die Bundesregierung befürworte die Übernahme von Teilen des französischen Unternehmens durch Siemens, erklärte heute das Wirtschaftsministerium. Die Aktie der Air Berlin wiederum kommt nicht zur Ruhe und gibt bis zum Mittag über 3 Prozent* ab. Am Sonntagabend musste der Chef der Airline Wolfgang Prock-Schauer bereits eingestehen, dass das laufende Sparprogramm nicht ausreiche. Heute erklärte Prock-Schauer, dass das derzeitige Geschäftsmodell geprüft werde und ein weiterer Stellenabbau möglich sei. Die Bundesbank erwartet in ihrem Monatsbericht für Deutschland nach dem guten Jahresstart eine Abkühlung der Konjunktur im laufenden Quartal. Die Volkswirte der Bundesbank erwarten zwar auch für dieses Quartal weiterhin Wachstum, das erste Quartal könnte allerdings aufgrund positiver Witterungseffekte besonders gut ausgefallen sein und dadurch statistisch bedingt zu einer im Vergleich niedrigeren Wachstumsrate führen. In dieser Woche stehen neben den Entwicklungen in der Ukraine auch sehr wichtige Wirtschaftstermine- und daten auf der Agenda der Investoren, die Impulse liefern dürften. So beginnt morgen die zweitägige Offenmarktausschuss-Sitzung auf der die amerikanische Notenbank die nächste Reduzierung ihres Anleihekaufprogrammes beschließen könnte. Zudem werden Arbeitsmarktdaten für den europäischen Raum und Erzeugerpreise für Deutschland veröffentlicht, die insbesondere auch für die nächste Woche anstehende EZB-Sitzung relevant werden könnten. Schließlich werden am Mittwoch auch Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum für das erste Quartal erwartet. Sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 handeln vorbörslich gegenwärtig über den jeweiligen Vortagesschlusskursen. * Gegenüber dem Vortagesschlusskurs ** Gegenüber der Vorperiode *** Bei Prognosen handelt es sich um Zahlen, die vom Nachrichtenprovider Dow Jones International Ltd. zur Verfügung gestellt werden