Tradingstrategien gibt es so viele wie es Trader gibt. Keiner von ihnen wird die zu 100% idente Strategie anwenden. Einige handeln mit Hilfe von technischen Indikatoren, andere wiederum mit reiner Charttechnik und andere wiederum mit Orderflow-Trading. Es gibt nicht DIE unfehlbare Strategie. Rückschläge müssen in jeden Handelsansatz einkalkuliert werden. Man muss die für sich ideale Strategie finden und diese für sich perfektionieren.


In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Möglichkeit zum Daytrading am DAX laut Markttechnik und Price Action vorstellen, aber davor möchte ich mit Ihnen meine favorisierten Leitsätze im Trading teilen.

„Gleichgültig, ob Anleger oder Trader.
Beide versuchen die Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Kursbewegungen abzuschätzen.
Sie sehen die Zukunft nicht.“


„Trade was du siehst und nicht was du sehen willst!“

„Take care of the risk and the profit will take care of you!“
 

Welche technischen Hilfsmittel werden benötigt?

  • Kerzencharts
  • Unterstützungen und Widerstände inkl. Verständnis des Paritätswechsels
  • Trendbestimmung

Kerzencharts:
Ein Kerzenchart ist nicht einfach eine Art der Kursdarstellung, er ist in sich auch ein Indikator. Er zeigt mehrere Informationen über den Kursverlauf (Open, Close, High, Low) in einer bestimmten Zeitperiode an und ist deshalb für Price Action unverzichtbar. Anhand des Kerzenkörpers, der Lunte und des Dochts kann der Trader Informationen über die Kursbewegung ablesen. Es gibt Kerzenformationen die aus einer einzigen Kerze bestehen, aber auch Formationen die durch mehrere Kerzen gebildet werden. Auch hier gilt: Die Qualität der Kerzenformationen macht den Unterschied. Zum Beispiel: Nicht jeder Hammer ist ein Hammer. Man muss genau beobachten WO der Hammer auftritt und ob die Voraussetzungen erfüllt sind um die Kerze einen Hammer zu nennen.


Unterstützung und Widerstände und der Paritätswechsel:

Schon vor 100 Jahren zu Zeiten von Charles Henry Dow – dem Vater der technischen Chartanalyse – konnte man in den Kursbewegungen diese Linien und Zonen beobachten. Kursverläufe bilden immer wieder Unterstützungen und Widerstände aus. Unterstützungen an denen die Käufer mit ihren Orders den Kurs stützen, Widerstände wo die Verkäufer stärker sind und den Kurs nach unten drücken. In einem Aufwärtstrend werden Widerstände gebrochen und Unterstützungen entstehen. In einem Abwärtstrend werden Unterstützungen gebrochen und Widerstände entstehen. Bitte beachten Sie, dass ganz wesentlich dabei ist die Zeiteinheit auf der man tradet. Der Bruch einer Unterstützung im 5-Min-Chart hat in den meisten Fällen keine Relevanz für den Trend im 4-Stunden-Chart.

Über Paritätswechsel spricht man dann, wenn eine Unterstützung von oben nach unten gebrochen wird, die nach dem Durchbruch ihre Rolle wechselt. Sie wird zum Widerstand. Meistens wird der neu entstandene Widerstand vom Kurs noch einmal angelaufen. Der andere Paritätswechsel, wenn der Widerstand zur Unterstützung wird, funktioniert spiegelverkehrt.
 

Anhand dieser Eigenschaften des Kursverlaufs können Trading-Setups angewendet werden. Ein Beispiel sehen Sie am Bild in vereinfachter Darstellung.

Die Trendbestimmung:

Ein Abwärtstrend kennzeichnet sich durch fallende Hochpunkte und fallende Tiefpunkte. Je größer die Entfernung zwischen den einzelnen Hoch-/Tiefpunkte ist, umso stärker ist der Trend (Momentum). Beim Aufwärtstrend generiert der Kurs steigende Hoch- und Tiefpunkte. Statistisch gesehen ist es immer wahrscheinlicher, dass sich der Trend fortsetzt als dass er wendet, deshalb kann der Trend einen Vorteil am Markt für den Trader darstellen. Wir könnten den Trend auch als die Richtung des Kapitalflusses bzw. als die Psychologie der Marktteilnehmer nennen. Eine Trendwende von Long auf Short findet dann statt, wenn das letzte höhere Tief vom Kurs nach unten gebrochen wird. Dann erfolgt oft ein Rücklauf in die steigende Richtung und beim Bruch des vorigen Tiefs ist die Trendwende bestätigt.

Wie können Sie nun diese Tools der Charttechnik beim Daytrading am DAX nun anwenden. Lassen Sie mich den Kursverlauf des Germany30 CFDs anhand des 5-Minuten-Charts erklären.

Sie können die Eröffnungskurse von 08:00 und von 09:00 Uhr auch als Unterstützung und Widerstand beobachten. Wenn der Kurs den Eröffnungskurs durchbricht, dann sollte im optimalen Fall wieder ein Rücklauf erfolgen und in Richtungs des Durchbruchs könnte eine Position eingegangen werden.

Der DAX am 04. April 2018:

Der Kurs eröffnete mit einem Down-Gap (Kurslücke nach unten) und testete kurz den Eröffnungskurs wieder an (Rücklauf an Widerstand) und fiel weiter. Um 9 Uhr mit der Eröffnungs des Kassa-DAX (DAX Performance-Index) setzte sich der Kursrückgang fort. Dabei bildete sich ein markttechnischer Abwärtstrend, der fallende Hochs und Tiefs gebildet hat. Gegen 11 Uhr wurde ein Hoch bei 11884 Punkten ausgebildet. Dieses war zu diesem Zeitpunkt noch kein relatives Hoch, erst als der Kurs das vorige Tief durchbrochen hat.

Durch den stärkeren Rutsch gegen 12 Uhr wurde die Unterstützung bei 11829 gebrochen und wurde zum Widerstand. Ein Rücklauf erfolgte 45 Minuten bzw. 9 Kerzen später. Nun war der Paritätswechsel fertig. Doch dann nahm der Kurs wieder Anlauf und hat den Widerstand durchbrochen (Umkehrkerze laut Price Action). Dadurch kam es zum nächsten Paritätswechsel und auch hier testete der Kurs die neue Unterstützung wieder an. Bei so einer Chartkonstellation hätte man die erste Möglichkeit nach Price Action eine Long-Position aufzunehmen mit einem Stop-Loss am letzten Kerzentief.

Nach der Seitwärtsbewegung, die bis zum rot schattierten Bereich am Chart dauerte, konnte der Kurs das letzte relative Hoch durchbrechen und es kam zu einer Trendwende von short auf long auf 5-Minuten-Basis. Auch hier bot der Markt einen Long-Einstieg mit einem möglichen Stop-Loss bei 11850. Eine Sequenz von steigenden Hochs und Tiefs bestätigte die Trendwende.

Der Stop-Loss

Wie weit sollte Sie den Stop-Loss beim Daytrading setzten? Dafü r gibt es natürlich keine fixe Zahl. Am ehesten kann die Größe des Stops anhand der Marktvolatilität festgelegt werden. Eine Möglichkeit ist das 1,5-2fache ATR (14). Der Average True Range auf 14 Perioden zeigt Ihnen die durchschnittliche Schwankung der angezeigten Periode (hier: 5-Minuten-Kerzen) der letzten 14 Kerzen. Dieser lag am 04. April zwischen 10 und 19 Uhr im Schnitt bei 17,30. Das bedeutet, dass der Stop-Loss 25 bis 35 Punkte vom aktuellen Kurs gesetzt werden konnte. Dies mag für manche ein zu großer Stop sein, aber erfahrungsgemäß ist ein Stop von 5-10 Punkten zu eng.