Traden mit Öl – aber welche Sorte?

Wer den Begriff „Rohöl“ in der Produktsuche in der Handelsplattform von CMC Markets eingibt, wird mit zwei verschiedenen Rohölsorten konfrontiert. Bei den Ölpreisen müssen Sie wissen, dass die Sorte WTI vor allem das auf dem US-amerikanischen Binnenmarkt vorliegende Angebot widerspiegelt, also vor allem für das Trading der wöchentlichen Lagerdaten geeignet ist. Die Sorte Brent kann man begreifen als Weltmarktpreis für den Ölpreis. Aktuell, im September 2018, als dieses Video entstand, war WTI mit einem Preisabschlag zu Brent bewertet, einfach dadurch, dass die US-Ölindustrie mehr Öl produziert, als über die Häfen exportiert oder durch Raffinerien in Mineralölprodukte umgewandelt werden kann. Das Resultat sind günstige Ölpreise auf dem US-Markt und volle Lager. Wenn immer also die OPEC ihre Politik unerwartet verändert oder auf der Welt etwas passiert, was das Öl beeinflusst, sollten Trader der Sorte Brent den Vorzug im Trading geben.

Die Makro-Trading-Perspektive

2007 hielt eine Studie der Internationalen Energieagentur erstmals ein globales Fördermaximum bei Öl für möglich. Damals fingen auch die Spekulationen darüber an, ob es irgendwann irgendwo auf der Welt dieses Fass Öl geben könnte, das benötigt, aber nicht mehr geliefert werden könne; einfach dadurch, dass die weltweiten Fördermengen den Bedarf nicht mehr deckten.

Die alarmierende Studie wurde zum einen damit begründet, dass der Bedarf vor allem aus den Schwellenländern immer steiler zu wachsen begann. Die letzten 1 Billion Barrel Erdöl wurden in 135 Jahren verbraucht. Für die nächste Billion der 159-Liter-Fässer würde die Menschheit dagegen voraussichtlich nur 30 Jahre benötigen. Ein weiteres Argument war, dass die Ölindustrie in den 2000er Jahren ihre Investitionen in neue Ölfelder kaum erhöhte, obwohl sich der Ölpreis auf 70 Dollar verdoppelt hatte.

Ein dreiviertel Jahr nach dieser Studie lag der Ölpreis bei fast 150 Dollar. Das hatte massive Auswirkungen auf die weltweiten Kapitalströme. Öl produzierende Länder hatten plötzlich unerwartet hohe Gewinne, während die Menschen in den reichen Industrieländern, die Benzin und Heizöl importieren mussten, immer stärker durch die hohen Preise belastet wurden. Die frei verfügbaren Einkommen sanken, der Konsum brach ein und diese drastische Umkehr der weltweiten Kapitalströme wurde wenig später von der kanadischen Bank CIBC als ein maßgeblicher Auslöser für die Finanzkrise und den Fall von Lehman Brothers angesehen; einer Krise, an der wir zehn Jahre später immer noch zu knabbern haben.

Die Welt ist der prognostizierten Ölkrise entkommen. Auch deshalb, weil durch die Finanzkrise der Konsum in den westlichen Industrieländern insgesamt gesunken ist. Zumal China als Werkbank der Welt weniger schnell wächst, da die Nachfrage auf dem Exportmarkt eingebrochen ist. Nichtsdestotrotz ist die Nachfrage nach Erdöl weiter gewachsen, jedoch weniger steil und in einer Art und Weise, die durch die Produktion wieder aufgefangen werden konnte.

Amerika mischt die Karten neu

Was die Welt nicht kommen sah, war ein zweiter Ölboom in den Vereinigten Staaten. Nach Jahrzehnten fallender Ölproduktionsmengen förderte die Fracking-Industrie seit dem Jahr 2005 mit einer neuen Bohrmethode erst geringe und dann schnell größer werdende Ölmengen zu Tage. Die amerikanische Ölproduktion ist dadurch seit Mitte der 2000er Jahre von 4 auf über 10 Millionen Barrels täglich gewachsen.

Die im September des Jahres 1960 gegründete OPEC musste angesichts der schnell wachsenden Marktanteile der Amerikaner um ihre Daseinsberechtigung fürchten. Die Überversorgung des Ölmarktes gipfelte darin, dass das Preiskartell die Festlegung des Ölpreises sogar vollständig dem Markt überließ. Verteidigte vor allem Saudi Arabien durch Fördermengensenkungen jahrzehntelang einen selbst festgelegten Mindestpreis im Ölmarkt, hatte sich das Kartell 2015 von dieser Aufgabe zurückgezogen. Das Resultat war ein Einbruch des Ölpreises auf knapp unter 26 Dollar pro Barrel. Erst eine Vergrößerung der OPEC um Russland, Kasachstan und weitere Länder in den Folgejahren brachte die Zuversicht innerhalb des Kartells zurück. Selbst wenn es nicht offiziell so gehandhabt wird, scheint sich jetzt wieder ein Mindestpreis im Markt einzustellen, der von der um Russland und andere Länder erweiterten OPEC verteidigt zu werden scheint.

Ölpreis-Trading: Das gilt es zu beachten

Dieser kleine Ausflug in die jüngste Geschichte der weltweiten Ölpreise bringt uns, bevor wir zu einer konkreten Trading-Strategie zum Ölpreis kommen, zu einer wichtigen Schlussfolgerung: es ist entscheidend, immer ein Auge auf die Entscheidungen und den Zusammenhalt innerhalb der OPEC zu werfen. Der von der OPEC herausgegebene „Monthly Oil Market Report“ sollte daher von allen beachtet werden, die sich ernsthaft mit dem Trading von WTI oder Brent auseinander setzen wollen. Immerhin stehen die Aktionen des Kartells in direkter Konkurrenz zur amerikanischen Ölindustrie, die dem Markt wöchentlich Auskunft darüber gibt, wie viel produziert oder eingelagert wurde. Achten Sie deshalb im Wirtschaftskalender von CMC Markets auf den wöchentlichen Statusbericht für Petroleum und darauf, ob die gemeldeten Werte stark von den Erwartungen abweichen. Das sind typische Events, die die nötige Volatilität für Trading-Chancen bringen können!