Soros hat mit deutlichen Worten vor den Folgen des Brexit gewarnt. In einem Artikel im Guardian sagt er, dass der Brexit ein Katastrophenszenario ist, der Zerfall der EU sei jetzt praktisch unumkehrbar. Die Folgen für die Realwirtschaft seien bitter und nur mit der Finanzkrise von 2007-2008 vergleichbar, die Spannungen zwischen den Mitgliedsstaaten der EU haben eine Bruchstelle, nicht nur über Flüchtlinge, sondern auch als Folge der außergewöhnlichen Belastungen zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern innerhalb der Eurozone. Er warnt vor einer Bankenkrise, vor allem in Italien, aber auch in Gesamteuropa, und dies wiederum könnte populistischen Parteien wie der Five Star Bewegung in Italien Aufwind geben. Viele fragen sich ob es überhaupt eine gute Idee war das Referendum mit einer einfachen Mehrheit von 50% + 1 Stimme durchzuwinken oder ob es nicht eine viel bessere Idee gewesen wäre, eine absolute Mehrheit anzustreben. Gerade die junge Generation, die am längsten mit den Folgen leben muss, stimmte gegen den Brexit. Nun stellen sich viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Trennt sich Schottland von Großbritannien? Wird es ein zweites Referendum geben? Wie wird die politische Landschaft in Großbritannien in 3 Monaten aussehen? Der politische Prozess, der jetzt in Gang kommt, wird sehr wichtig sein für die Märkte um ihnen eine Richtung zu geben und einen Weg zu weisen aus der aktuellen Unsicherheit. Goldman Sachs erwartet in jedem Fall eine Rezession in Großbritannien, die Zinswende der Federal Reserve sei nun für längere Zeit pausiert. Das wäre wirklich gut für Gold, das über 1.307 Dollar schloss und damit dem markttechnischen Abwärtstrend seit 2011 stoppte. Alan Greenspan sagte am Wochenende, das, was gerade passiere, sei schlimmer als alles, was er in seiner professionellen Laufbahn je gesehen hätte, die aktuellen Entwicklungen hätten eine ätzende Wirkung, die nicht mehr zu rückgängig gemacht werden könne. Greenspan zählte in den letzten Jahren zu einem der lautesten Befürworter der Goldanlage neben Milliardären wie Druckenmiller und Soros. Es wird heute sehr wichtig sein, wie sich die Markttrends entwickeln werden. Die Frage ist: War die Erholung am Freitag der Beginn einer Gegenbewegung oder lediglich eine bärische technische Gegenbewegung, eine simple technische Entwicklung als Reaktion auf die Verluste? Über das Wochenende hatte jeder zumindest etwas Zeit, um die Situation zu überdenken also werden wir heute einen ungetrübteren Einblick darauf erhalten, wohin die Märkte wollen. Potenziell könnten die Tiefs vom Freitag bereits die Tiefs sein, aber wenn wir Fondsmanagern wie jenen von Blackrock zuhören die halten es nicht für ausgeschlossen dass der DAX auf 8000 fällt. Ich kann nur wiederholen was ich in dieser Sendung schon einmal vor ein paar Monaten mit Blick auf diese Termine sagte. Es scheint, nach einer Zeit der Intervention der Zentralbanken sind wir in eine neue Phase an den Märkten eingetreten: In eine der politischen Einflussnahme. Ich fürchte, dass es keinen einfachen Ausweg aus dem Schlamassel geben wird, der durch das Referendum verursacht wurde. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sagte am Sonntag, der Welt drohe eine "riskante Dreifaltigkeit" von hohen Schulden, geringen Produktivitätswachstums und das Schwinden der Feuerkraft der großen Zentralbanken der Welt. Die BIZ, eine Dachorganisation für die großen Zentralbanken schrieb in ihrem Jahresbericht, dass die Weltwirtschaft noch vor dem Referendum am Donnerstag stark unter Druck gestanden hätte. So scheint es als könne die Realwirtschaft nicht der Unterbau sein, der unter den Kursen Stabilität geben wird. Im Gegenteil, es wird eine Zeit der Unsicherheit und Anpassung kommen. Es werden einmal mehr die Zentralbanken sein, die als Retter in letzter Not einspringen und damit wahrscheinlich erneut unter Beweis stellen, was es bedeutet, wenn Volkswirte von einem abnehmenden Grenznutzen weiterer geldpolitischer Maßnahmen sprechen. Wir könnten jetzt sogar Zeuge werden dass wir zunehmende gegenteilige Reaktionen der Märkte auf weitere geldpolitische Maßnahmen sehen, die konträr zum gewünschten Effekt stehen. Das Signal des Goldes über 1307 Dollar zu schließen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.