Da kann Boris Johnson gerne versprechen, dass Großbritannien auch nach einem Austritt aus der EU noch uneingeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird, und David Cameron kann auch noch so oft wiederholen, dass sein Nachfolger sehr wohl auch erst noch einmal mit der EU informell sprechen können wird – die Haltung der EU ist klar. Vielleicht half das gestern auch den Aktien auf die Sprünge. Vor allem Rohstoffwerte waren wieder auf den Gewinnerlisten, es scheinen sich einige dann doch daran zu erinnern trotz aller Brexit-Fokussierung, die die Märkte gerade entwickelt haben, dass die Markttumulte und Wachstumsprobleme für die Wirtschaft die daraus resultieren erst einmal keine Zinswende in den USA geben wird, also dass die Zinsen länger tief bleiben werden, das hilft dem Gold, dass die 1300-Dollar-Marke noch einmal getestet hat – erfolgreich, wie man hinzufügen sollte. Das hilft allen Rohstoffen, weil man davon ausgehen muss, dass der Dollar erst einmal nicht noch weiter aufwerten wird, wie gestern erwähnt steht etwa der brasilianische Aktienmarkt gar nicht mal schlecht da, alle Schwellenländer machen sich bereit für diese Phase neuerlicher Geldfluten der Zentralbanken. Diese Phase wird ihnen helfen, ihre Reformen weiter voranzutreiben, aber der Druck sinkt, dies extrem schnell tun zu müssen, was die Gefahr von politischen Fehlentscheidungen verringert, wie sie doch immer wieder etwa von George Soros oder Kyle Bass als unmittelbar bevorstehend etwa für China ausgerufen wurden. Die Gefahr von  Problemen von dort wird jetzt also erst einmal gesunken sein, und Trader können vielleicht einen Swing nach oben mitnehmen. Das heißt aber erst einmal nicht, dass hier jetzt große neue Wachstumsfantasien eingepreist werden. Es wird lediglich ein Teil der Risikoprämie wieder herausgenommen, oder das könnte passieren, da die Wahrscheinlichkeit für eine Zinswende gesunken sind. Dass Investoren nicht in Jubelarien ausbrechen kann man gut daran sehen, was die Märkte machen, die von Anlegern traditionell angesteuert werden, wenn sie nichts mehr von Risiken wissen wollen: Staatsanleihen etwa. In den vergangenen vier Wochen wuchs das Volumen der Staatsanleihen, die mit negativen Zinsen versehen sind, um unglaubliche 1300 Milliarden Dollar – oder ein Achtel auf 11700 Milliarden Dollar. Investoren stürzen sich also auf sichere Häfen, akzeptieren leichte Dellen und Kratzer, um sich vor noch größeren Einschlägen woanders in Sicherheit zu bringen. Das bedeutet aber auch: Da sitzt so immens viel Geld in diesen unangenehmen Negativzinspapieren, es muss nur ein Startschuss kommen, der das Geld von dort freisetzt, also eine größere Umschichtung der Fonds auslöst, und die Kurse der Risikopapiere wie Aktien könnten explodieren. Schauen Sie sich einmal den Wochenkerzenchart vom FTSE 100 an, der bildet eine potenzielle Bodenbildung in Form einer inversen SKS aus. Wird die aufgelöst, wären die Jahreshochs das Ziel. Was spielt der Markt hier? Dass die UKIP in Großbritannien einknickt, und ein zweites Referendum angekündigt wird? Ein zweites Referendum könnte zu kräftigen Kurssteigerungen führen. Aber die Frage ist halt, ob es so eines geben wird.