CMC Espresso: Euro-Banken im "Tal des Todes"

An der Wall Street gibt es in Traderkreisen den Begriff des so genannten Tal des Todes, andere sprechen von einem Schlachtfeld. Wer sich von den Banken darauf befindet hat ein Problem.

Guten Morgen zu CMC Espresso! Die Märkte konnten gestern kräftig ansteigen, Gold kam unter Druck, da jeder jetzt erwartet, dass die Zentralbanken bald einschreiten werden, konzertiert wie es heißt, also alle gemeinsam. Nach wie vor ist aber klar, dass Geldpolitik keine Politik machen kann, sie kann aber helfen, die Stimmung zu verbessern und die abdriftenden Bankkurse zu stützen und die akute Wahrnehmung eines wachsenden Pleiterisikos in diesem Sektor abzuwenden. Systemisch Risiken tauchen wieder auf, diese bestehen aus einer Liquiditäts- und aus einer Solvenzkomponente, Engpässe in ersterer können durch Geldpolitik gelöst werden, letztere nur durch weitere Einsparungen bei den Banken. Auslöser für die Erwartungshaltung weiterer Geldgeschenke der Zentralbanken war Mario Draghi, der vor einem Wachstumsrückgang der Eurozone um 0,5% durch einen Brexit warnte, drei Jahre lang werde das Wachstum tiefer sein, als ohne Brexit, es werde womöglich zu einem Währungskrieg kommen, es sei Zeit, wunde Punkte des Bankensystems zu schützen, man könne es sich nicht leisten, sie weiter abdriften zu lassen und es sei fast sicher, dass ein Brexit die Volatilität an den Währungsmärkten erhöhen würde. An der Wall Street gibt es in Traderkreisen den Begriff des so genannten Tal des Todes, andere sprechen von einem Schlachtfeld. Wer sich von den Banken darauf befindet hat ein Problem. Und man nimmt in New York an, dass die meisten europäischen Banken sich gerade darauf befinden, Barclays, Credit Suisse, Societe Generale, BNP, Deutsche Bank, die HSBC – sie haben eine Bilanzsumme, die 30-40% zu klein ist, um global mitmischen zu können und sie haben zwei bis dreimal höhere Kosten als erfolgreich platzierte Nischenplayer. Zu diesen Nischenplayern zähle die UBS in der Schweiz, während echte global Player die Citigroup, Goldman Sachs und JP Morgan seien. Die europäischen Banken, glaubt Macquarie, hätten eine Kostenbasis, die immer noch 20-40% zu hoch ist. Also werden viele Banken Geschäfte aufgeben, die sich nicht mehr genügend lohnen, und das bedeutet im Umkehrschluss, dass mehr Marktanteile und Geschäfte von Europa in die USA abwandern werden. Und wenn man dem Nischenplayer aus der Schweiz zuhört, also der UBS, in diesen Tagen, dann haben mehrere Märkte zur Empfehlung ausgesprochen, in die  Anleger nach dem Brexit ihr Geld investieren können, einer davon sind US-Aktien, denen sie bis Jahresende ein Aufwärtspotenzial von 5-8% zutrauen. Also wären hier sogar neue Rekordhochs möglich, der amerikanische Verbraucher, dem es relativ gut geht, werde dafür sorgen, dass zwei Drittel der US-Wirtschaft, der Konsum, gut dastehen wird. Außerdem glaubt UBS, dass britische Immobilienaktien besser laufen werden, einfach dadurch, dass die Kurse so stark abgestraft wurden. Sie hätten ein Horrorszenario eingepreist, das nicht realistisch sei. Die UBS sieht auch gute Chancen bei Unternehmensanleihen aus dem Goldminensektor, hier sehen die Schweizer 8% Kurschance bis Jahresende, der Goldpreis steige gerade, während die Bergwerke ihre Kostenbasis in den vergangenen Jahren der Korrekturen drastisch zusammengestrichen hätten. Interessant sei auch eine Short-Position im australischen Dollar gegenüber dem US-Dollar, vor allem, weil die UBS davon ausgeht, dass die Geldpolitik beider Länder in unterschiedliche Richtungen tendieren wird. Australien leide unter schwacher Auslastung der Bergwerke des Landes wegen eines schwächer wachsenden Chinas, und der US-Dollar profitiere gerade stark von einer allgemeinen Risikoaversion der Anleger, die eine Flucht in den Greenback auslöse. Außerdem sei auch eine Long-Position im brasilianischen Real spannend, gegenüber dem Euro wie gegenüber dem US-Dollar, die Hochzinsländer profitieren insgesamt stark von der Aussicht, dass die Zinsen in den Industrieländern und vor allem in den USA länger tief bleiben werden, außerdem erhalte man eine zweistellige Verzinsung aus einem Real-Carry-Trade. Brasiliens Wirtschaft stabilisiere sich auf tiefem Niveau, der Außenhandel habe sich insgesamt verbessert.