Die oft zitierte und an den Märkten immer wieder kurzfristige Schwankungen auslösende Zinswende ist in Wirklichkeit eine Chimäre. Die Zentralbanken als verlängerter Arm der Regierungen wollen die Staaten dadurch entschulden, dass sie die Zinsen tiefer halten als die Inflation. Man hat eingesehen, dass die nominale Schuldenlast weiter zunehmen wird – unabhängig davon, ob es wirtschaftlich gut oder schlecht laufen wird. Im dritten Quartal 2017 noch, als sich laut Untersuchungen der Deutschen Bank so wenige Länder wie zuletzt vor 40 Jahren „rezessionsfrei“ waren, betrug das Schuldenwachstum weltweit 11%. Relativ zur Wirtschaftsleistung baumelt eine Zahl wie ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft: 308%. In anderen Worten: Es gibt viermal mehr Schulden, als alle Menschen weltweit mit Arbeit an Werten schaffen.

 

In anderen Worten: Selbst bei starkem Wirtschaftswachstum und ökonomischen Boomzeiten in vielen Ländern ist es nicht möglich, das Schuldenwachstum aufzuhalten. Da man dagegen nichts tun kann, bleibt nur noch eine reale Kaufkraftentwertung, die heute bereits jeder zu spüren bekommt, der eine neue Wohnung mieten oder kaufen oder am Aktienmarkt einsteigen möchte. Für 1.000 Euro kann man heute weitaus weniger Quadratmeter mieten, für 300.000 Euro fällt die Eigentumswohnung weitaus kleiner aus als noch vor zehn Jahren. Für einen Euro, den ein Unternehmen als Überschuss erwirtschaftet, muss man mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis bereits das 25-fache bezahlen.

 

Diese Kaufkraftentwertung schlägt voll auf alle durch, deren Einkommen nicht entsprechend zugelegt haben und/oder diejenigen die nicht durch Aktieninvestments von dieser Entwicklung profitiert haben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob man an Kaufkraft verliert, sondern wie viel man verliert. Das wiederum lässt die Aktienanlage auch bei den schwindelerregenden Niveaus, auf denen wir angelangt sind, noch attraktiv erscheinen.

 

Die Inflation in der Eurozone beginnt bereits anzulaufen. Auf eine Teuerungsrate von 0,1% im Jahr 2015 folgten 0,6% im Jahr 2016 und 1,7% im Jahr 2017. Die Zinsen der EZB bleiben dennoch bei Null und man hat zur Sicherstellung dessen in der Zeit steigender Inflationsraten sogar noch großangelegte Anleihekaufprogramme begonnen. In Großbritannien liegt die Inflationsrate bereits bei 3%. Die Notenbank dort erhöhte den Leitzins lediglich von 0,25% auf 0,5% und in einem halben Jahr könnte man – so heißt es – eventuell darüber nachdenken, die Zinsen auf 0,75% anzuheben. Hier gibt es eine Diskrepanz zur Geldpolikik der Vergangenheit. In anderen Worten: Einen Ausgleich zur Inflation durch den Zins können Anleger nicht mehr erwarten. Es ist einfach nicht mehr möglich.

 

In diesem Jahr könnte die Inflationsrate in der Eurozone auf über 2% steigen. Eines ist sicher: Die Zentralbanken wollen genau diese Entwicklung. Sie möchten, dass die Verschuldung relativ zur weltweiten Wirtschaftsleistung deutlich unter 300% sinkt. In den USA denkt man innerhalb der Notenbank darüber nach, das Inflationsziel von 2% durch einen Preisbereich zu ersetzen, der über einen Durchschnitt über einen längeren Zeitraum berechnet wird, etwa über ein Preisband von 1,9% bis 2,9%. Das würde bedeuten, dass man den laxeren Umgang mit Inflation quasi instistutionalisieren würde. Einige Monate mit Inflationsraten von über 3% wären nach dieser Maßgabe eben auch kein Problem mehr.

 

Es ist vor diesem Hintergrund wenig erstaunlich dass gerade jetzt die Edelmetalle beginnen nach einem langjährigen Bärenmarkt an ihren ebenso langjährigen Abwärtstrendlinien zu kratzen. Brechen sie darüber aus (bei Silber liegt die Linie bei 19 US-Dollar, bei Gold bei 1350 US-Dollar) könnte das ein Signal dafür sein, das die Edelmetalle wieder in den Fokus der Wall Street und der Anleger rücken wird. Ob daraus dann eine größere Aufwärtsbewegung wird, muss man abwarten. Jedenfalls gilt: Edelmetalle sind als Modethema vollständig aus dem täglichen Gespräch zwischen Anlegern verschwunden. Sie sind sogar geradezu langweilig geworden.

 

Wer an der Börse aber erfolgreich sein will muss einsteigen, bevor andere einsteigen. Ob dieser Zeitpunkt bei den Edelmetallen gekommen ist, wage ich nicht zu sagen. Die fundamentale und technische Umgebung ist jedoch freundlicher für die Edelmetalle. Tatsächlich waren Phasen sinkender Realzinsen emprisch betrachtet die besten Phasen für Gold und Silber. Anleger sollten Gold und Silber jetzt wieder auf ihrer Beobachtungsliste führen.