Wir sehen uns in der aktuellen Situation in der Weltwirtschaft mit einer interessanten Gemengelage konfrontiert. Die Chinesen drängen auf einen Investitionsabkommen mit der EU, dem ein Freihandelsabkommen folgen soll. Der amerikanische Präsident versucht unterdessen weiterhin gute Stimmung zu verbreiten, just als der S&P 500 Index Probleme hat, die 3000 Punkte Marke zu überschreiten. Die Aktienkurse kamen über den Verlauf des mittlerweile 18 Monate währenden Handelskrieg nicht mehr vom Fleck.

Die Marke von 2941 Punkten ist technisch sehr auf Monatsschlusskursbasis wichtig, wie man im Video sehen kann, in dem wir uns das Big Picture des S&P 500 Index für amerikanische Standardaktien charttechnisch vorgeknöpft haben. Dieser Index ist maßgeblich für den Verlauf des DAX und muss als Index mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung beachtet werden! Daraus lässt sich ein Kontext herstellen, der zeigen könnte, wie stark oder schwach die Aktienkurse gerade dastehen.

Trump verkündet, China habe amerikanische Sojabohnen gekauft, und wenn man den Terminhändlern in Chicago zu hört, dann können die das so nicht bestätigen. Es habe in der letzten Woche oder auch über die letzten Wochen keine oder nur ganz geringfügige Exporte von Sojabohnen nach China gegeben. Die Situation ist sogar noch etwas dramatischer: Was China Tat, ist US-amerikanische Sojabohnen auszutauschen gegen brasilianische Sojabohnen. Während amerikanische Farmer im Mittleren Westen, im Corn Belt, also darauf hoffen, dass der amerikanische Präsident Arbeitsplätze und Wohlstand in Ihre Region bringt, haben die besten Kunden Amerika verlassen und kaufen jetzt in Latein Amerika ein. Das hin und her belastet die Stimmung in der Wirtschaft und die Aktienkurse vor allem von zyklischen Unternehmen. Es könnte auch die Aktienkurse 2020 weiter belasten, wenn der Waffenstillstand im Handelsstreit nicht gewahrt wird.

Ein Prozentpunkt: So viel Wachstum kostet der Handelskrieg

Der IWF bezifferte den Schaden durch den Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China auf ein Einbußen von 0,9 bis zu einem Prozentpunkt vom Weltwirtschaftswachstum. Der vor 18 Monaten begonnene Handelskrieg hat außerdem dazu geführt, dass weltweit Unternehmen Ausrüstungs- und Kapitalinvestitionen zurückhalten, da die Planungssicherheit gesunken ist. Eine Einigung im Handelsstreit könnte diesen Rückstau entfesseln und zu einem kräftigen Aufschwung im Jahr 2020 führen. Zu diesem Thema erfahren Sie mehr im Interview auf Der Aktionär TV:

China verbreitet gute Stimmung

Natürlich ist jetzt auch von chinesischer Seite zu hören, dass man an sich arbeiten werde, ein besseres Umfeld für Unternehmen zu schaffen. Und dass es Fortschritte gebe. Aber jetzt kommt erst einmal Phase 1 des Abkommens. Das bedeutet, es wird weitere Phasen geben. Bis die fertig sind kann es noch lange dauern. Um aber eine dauerhafte Erholung der Weltwirtschaft und eine Rückkehr der Investitionsbereitschaft der Unternehmen wiederherzustellen brauchen wir einen kompletten Deal.

Lagarde kritisiert US-Präsident Donald Trump

Christine Lagarde, die angehende Chefin der europä ischen Zentralbank, kritisiert ganz offen Donald Trump. Über Tweets ließe sich ein Handelskonflikt nicht lösen. Wenn wir am 15. Dezember neue Strafzölle bekommen könnten Unternehmen aus ihrer beobachtenden Rolle aussteigen und anfangen, Leute zu entlassen. Das haben sie bislang nur zögerlich bis gar nicht getan - das kann sich aber ändern.

Aktienkurse 2020: Fokus auf die Fortschritte

An den Aktienmärkten schüttelt man dieses Thema derzeit ab und fokussiert sich auf die Fortschritte. Das liegt wohl daran, dass die Erwartungen für die laufende Berichtssaison dermaßen niedrig sind, dass es vermutlich ein leichtes sein wird dann für die Unternehmen diese Erwartungen zu übertreffen. Auch wenn wir am Ende der Berichtssaison netto einen Gewinnrückgang – erneut – haben werden: Interessieren tut es niemand. Die Aktien steigen, weil die gemeldeten Zahlen über den Erwartungen liegen, und sich die Anleger über die vergangenen Monate vor allem mit einem Thema auseinandergesetzt haben und das ist die Angst und die Gefahr einer Rezession. Ergo sind wenige investiert, die Skepsis ist vorherrschend, und daraus ergibt sich ein gewisses Kurspotenzial. Auch nach dem chaotischen Brexit-Wochenende ist die Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit ohne Vertrag etwas weiter gesunken.

Robuste Aktienkurse: Zentralbanken bügeln Probleme glatt

Es gibt die Gefahr von Unfällen. Es gibt die Gefahr eines harten Brexit. Es gibt die Gefahr einer Eskalation im Handelstreit zwischen China und den USA oder zwischen der USA und der Europäischen Union. Es gibt die Gefahr, dass am amerikanischen Geldmarkt etwas schief geht. Aber Hand aufs Herz: Solche Gefahren gibt es immer. Und es gibt eben keine wirkliche Alternative, die gefahrenlos wäre. Weltweit sind 15.000 Milliarden US-Dollar an Staatsschulden negativ verzinst. Es gibt also keine sichere Anlage mehr, die Zinsen bringt. 20 Zentralbanken weltweit lockern schon wieder ihre Geldpolitik. Die Fed wird Ende Oktober vermutlich noch eins draufsetzen. Auch deswegen sind die Aktienmärkte relativ robust, wenn es um den Umgang mit dem Handelskrieg geht. Aber was jetzt auf keinen Fall passieren darf ist eine neue Eskalation im Handelsstreit. Wir müssen jetzt genau beobachten, was die Verhandlungspartner auf amerikanischer und chinesischer Seite machen werden.

Big Picture DAX Analyse: Steigen die Aktienkurse 2020 weiter?

Noch ein Wort zum Big Picture im DAX. Der Deutsche Aktien Index hat dieses Übergangsjahr 2019 damit verbracht, ein neues Verkauf Signal abzulehnen. Das bedeutet das wir es jetzt mit der Situation eines bullischen Druckaufbaus zu tun haben.



Das Jahr 2018 war ein Übergangsjahr war für den Deutschen Aktienindex. Der DAX hat über den Verlauf des Jahres 2018 ein erneutes Verkaufssignal vermieden. Er schloss am Ende eines Monats nie unter 11695 Punkten. Damit wurde das 123-Top nicht reaktiviert. Im Gegenteil: Womit wir es hier zu tun haben ist eine hohe Widerstandsfähigkeit des Index im Lichte einer Gewinnwarnungswelle, Rezessionsängsten und Unsicherheiten rund um den Brexit und Handelskrieg. Der neuralgische Punkt (erfahren Sie mehr über neuralgische Punkte im Charts hier) bei 11695 Punkten wurde immer und immer wieder zum Monatsende verteidigt und gekauft. Wir haben es hier also mit einem bullischen Druckaufbau in Richtung des Punktes 2 des Trendwendemusters zu tun. Dieser liegt bei 13205 Punkten. Erklimmt der DAX auch diese Hürde wäre der Weg frei für eine Attacke auf das Allzeithoch bei 13600 Punkten. Ein Rutsch unter 11695 Punkten auf Monatsschlusskurs würde das 123-Top reaktivieren. Dann könnte ein Rutsch bis 10518 Punkten drohen.